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Hochlandrinder,
Leasing-Hühner und Pferdepension

Es stand am 18.Februar 03 in der

Aargauer Zeitung, Region Suhrental-Wynental  

 
Bauernbetriebe (2)
 
Heute bei Fritz und Monika Graf-Schaffner auf dem Nackhof in Kirchleerau.
(Text und Fotos von Peter Weingartner, 18.02.03)


Zehn Hektaren reichen nicht, um von der Land- wirtschaft zu leben. Die jungen Nackhofbauern kommen nicht von der Landwirtschaft her 

und betreiben mit viel Fantasie und Enthusiasmus, was sie gesucht haben: Nebenerwerbslandwirtschaft.


Der Nackhof liegt nicht an der Strasse. Wer aber von Schöftland das Suhrental hoch fährt, sieht eingangs Kirchleerau das Schild, welches auf den Hofladen von Fritz und Monika Graf-Schaffner hinweist. Und die Internet-Adresse: www.nackhof.ch. Die Strasse führt dem Waldrand entlang am Schiessstand vorbei zum Hof. Bei der Einfahrt links steht ein alter Waschhafen; vor dem Stall erwarten den Besucher Pferde und ein Pony.

Fritz ist gelernter Elektriker mit Weiterbildung am Technikum. Er arbeitet als Elektroingenieur in einem 80-Prozent-Pensum in der Maschinenindustrie in der Entwicklung; seine Frau ist in Staffelbach zu 45 Prozent als Lehrerin für Textiles Werken tätig. Sie haben den Hof vor 3 Jahren gekauft. Die Pferde sind Monikas Bereich. "Wir bieten Freizeitpferden Kost und Logis, und das in einem grossen Laufstall", sagt Monika Graf. Neben ihren eigenen beiden Pferden und einem Pony sind zur Zeit 4 "Pensionäre" im Nackhof einquartiert.

Ein Hofladen mit grossem Sortiment

In der Küche hängen zwei grosse Schwarzweiss-Fotos, die Fritz auf der Alp zeigen: mit einem Räff am Rücken, beim Käsen. Käse von der Alp reift auch im Naturkeller, und verkauft wird er im Hofladen. Der steht integriert im Geräteschuppen, ist heimelig getäfert und geheizt, die Produkte sind anmächelig arrangiert. Die Palette reicht von Süssmost trüb und klar über Hochprozentiges wie Williams-Schnaps, Liköre von verschiedenen Beeren bis zu Honig, Eiern, Lindenblüten, Holundersirup und Dörrfrüchten. Und im Kühlraum hats natürlich Obst, das nach den Richtlinien der "Integrierten Produktion" hergestellt wird. Wie stehts mit Fleisch? "Im Sommer hatten wir die letzten beiden Jahre Freilandschweine", sagt Fritz. Sie sind sich noch nicht sicher, ob sie auch diesen Sommer noch Schweine halten wollen. Gewiss ist hingegen, dass ab diesem Herbst erstmals Fleisch von schottischen Hochlandrindern in den Verkauf kommt.

Topografie gibt Möglichkeiten vor

Leila heisst das grösste der vier rothaarigen Rinder. "Sie ist die Grösste, weil sie am meisten frisst", sagt Fritz. Einen Stich ins Blonde hat Lili, die Liebste. «Mairina» hingegen sei die Schönste. Und da ist noch «Kamerun», der Ochse. Bald sollen die drei weiblichen Tiere gedeckt werden, wobei Mairina zur Weiterzucht «Verwendung» finden wird, derweil «Lili» und «Leila» zukünftigen Fleischlieferanten zum Leben verhelfen sollen. Hochlandrinder werden nicht gemolken; für die Mutterkuhhaltung aber, so Monika, seien sie wie geschaffen. "Wenn man einen Hof kauft, schaut man das Land mit seiner Topografie an und wägt die Möglichkeiten ab, die sich für die Bewirtschaftung ergeben", sagt Fritz. Das Land am Nack ist grossenteils stotzig, mit Maschinen nur schlecht zugänglich und folglich nicht gut intensiv nutzbar. "So sind wir auf die Hochlandrinder gekommen: Sie machen das Land nicht kaputt, sind lieb, schön, haben einen guten Charakter. Optimal für unseren Hof", erzählt Fritz, und Monika ergänzt: "Die Tiere sind sehr genügsam, fressen alles, auch Zähes, auch Brombeeren." So verhindern sie die Vergandung extensiv genutzter Wiesen. Die Tiere tragen Glocken. Fritz musste sie zuerst daran gewöhnen. "Ich will wissen, wo sie sind", begründet er die Massnahme. Das Fleisch der Hochlandrinder ist begehrt; die Nackbauern führen eine Warteliste. Es gilt als Fleisch mit viel Eigengeschmack und wenig Cholesterin, kurz: als gesundes Fleisch. Fritz Graf ist rundum begeistert: "Eine urtümliche Rasse, die noch nicht 'verzüchtet' ist, bietet weniger Probleme." Im Winter bekommen Pferde und Rinder Heu von den Ökowiesen.

Fritz und Monika Graf-Schaffner - Hofladen, Schild an der Strasse und Internetauftritt zeigen es - schwören auf die Direktvermarktung: "So profitieren alle: Der Konsument bezahlt weniger; der Produzent bekommt mehr für sein Produkt." Dazu komme die direkte Beziehung zwischen beiden Partnern: Der Kunde kennt die Herkunft seiner Lebensmittel und den Produzenten; der Produzent weiss, wer sein Abnehmer ist. Ein Schritt gegen Anonymisierung, Entfremdung. Unabdingbar ist für die beiden Landwirte die Aus- und Weiterbildung. Das theoretische Basiswissen erwarben sie sich am landwirtschaftlichen Beratungs- und Bildungszentrum Liebegg; daraufhin folgten ständig spezifische Kurse, sei es für die Obstverarbeitung, die Imkerei oder die Hufpflege bei Pferden. Der alte Waschhafen bei der Einfahrt zum Hof ist übrigens nicht Dekoration: Da drin kocht Monika Graf im Winter einmal pro Woche warmes Futter für die Pferde.

 

Leitgedanke: die Leute "gwundrig" machen

Bei Fritz und Monika Graf-Schaffner ist die Nebenerwerbslandwirtschaft nicht aus der Not heraus gewachsen, weil ihr Hof nicht mehr genug hergegeben hätte, um eine Existenz zu gewährleisten. Sie haben den Hof gekauft im Bewusstsein, dass er von der Grösse her – 10 Hektaren, "stotziges" Gelände, viel Wald – nur im Nebenerwerb bewirtschaftet werden kann. Ein arbeitsintensives Hobby. Ihre Motivation: Sie arbeiten gerne mit und in der Natur und haben sich einen hohen Grad an Selbstversorgung erschaffen. Im Frühling bieten sie neu auch selbst gemachte Teigwaren an. Da beide noch einen anderen Beruf haben – Elektroingenieur, Lehrerin für Textiles Werken – ist vor allem die Erntezeit im Herbst sehr streng. Und im Winter gilt es, den Wald zu bewirtschaften, denn das Haus wird mit Holz geheizt. Die beiden sind auch immer auf der Suche nach neuen Ideen: Etwas Spezielles machen, das nicht alle tun, um damit die Leute "gwundrig" zu machen. Eine dieser Ideen sind die Leasinghühner, geboren aus einer Spöttelei über das grassierende Leasingfieber: Konsumenten können ein Huhn leasen, das ihnen seine Eier liefert. Für 12 Franken pro Monat 20 Eier. 5 der 30 Hühner sind geleast. Der Hintergedanke auch hier ist die Förderung der Verbindung zwischen Produzent und Konsument. Grafs ihrerseits haben übrigens eine Alpkuh geleast, die ihnen den Alpkäse liefert. (wpo)

 

 

Und so geht's, das Hühnerleasing auf dem Nackhof>>

Unsere Hochland-Rinder im letzten Sommer >>

(Fritz Graf, 18.02.03)

 

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